Quelle: Property Magazine, 19. Juli 2011
Zwischen den Eigentümern des Berliner Nobelhotels „Adlon“ am Brandenburger Tor bahnt sich ein Führungsstreit an. Der Hotelbetrieb des von der Kempinski-Gruppe bewirtschafteten Hauses ist dadurch nicht betroffen. Streitpunkt zwischen dem Dürener Unternehmer Anno August Jagdfeld, dessen Fundus-Fonds Nr. 31 das Adlon gehört, und den Anlegern dieses Fonds sind die mangelnden Ausschüttungen der letzten fünf Jahre. Jagdfeld argumentiert, dass die Wirtschaftskrise die Leistungsfähigkeit des Hauses geschmälert habe und daher Ausschüttungen nicht zu vertreten gewesen seien. Es stehe zwar ein Gewinn von 14 Millionen Euro in den Büchern, dieser solle aber lieber bei der Refinanzierung eines im Jahr 2016 fälligen Kredites der Credit Suisse verwendet werden. Durch die geringe Anwesenheitsquote auf den Eigentümerversammlungen hatte Jagdfeld für seine Entscheidungen bisher immer die nötige Mehrheit.
Mittlerweile lassen sich aber rund 220 teilweise sehr stark investierte Anleger des Fonds über eine Schutzgemeinschaft des Berliner Rechtsanwalts Thomas Fritsch vertreten. Zudem hält Fritsch nach eigenen Angaben für weitere 2.000 der insgesamt 4.000 Fonds-Mitglieder Stimmrechtsvollmachten und vertritt damit effektiv 45 Prozent des Kapitals. Ziel sei es, auf der Eigentümerversammlung am 26. August die von Jagdfeld eingesetzte Geschäftsleitung abzuwählen und zwei neue Geschäftsführer zu installieren. Laut Fritsch liege der Grund für die fehlenden Ausschüttungen im schwachen Geschäft der Gastronomie- und Spa-Flächen des Hotels, etwa dem „China-Club“, die von einem Sohn Jagdfelds geleitet werden und trotz teurer Umbauten einen Pachtverzicht genössen. Jagdfeld wies diesen Vorwurf zurück. Es sei stets klar gewesen, dass die ausstehende Pacht über einen Besserungsschein nachgezahlt werden solle.