Quelle: Property Magazine, 27. September 2011 - Von Ulrich Schüppler
Mehr als 20 Jahre nach der Wiedervereinigung haben sich viele Luxushotelprojekte in den neuen Bundesländern für die Anleger der finanzierenden Fonds häufig als Verlustbringer erwiesen. Grund ist vor allem die in der Einheitseuphorie falsch eingeschätzte Auslastung der Nobelherbergen. Im Folgenden seien einige der prominenten Beispiele genannt.
In Berlin klagt die Schutzgemeinschaft der Adlon-Anleger, ein Zusammenschluss von über 200 Anteilseignern, gegen den Fondsinitiator Anno August Jagdfeld. Trotz langfristigem Pachtvertrag mir der Kempinski-Gruppe sieht sich der Adlon-Fonds derzeit nicht in der Lage, Gelder an die Anleger auszuschütten. Jagdfeld will Auszahlungen bis 2016 vermeiden, um die Refinanzierung laufender Kredite nicht zu gefährden. Die Anteile des Nobelhotels Adlon notieren derzeit bei rund einem Fünftel des ursprünglichen Werts. Dem Ostseebad Heiligendamm, einem weiteren Projekt von Jagdfeld, fehlen derzeit rund 40 Millionen an frischem Kapital, von denen erst acht Millionen gezeichnet wurden. Verweigern die Anleger den Nachschuss, droht dem Projekt das Aus.
Beim Ferienresort Fleesensee in Mecklenburg, finanziert durch einen Fonds des Berliner Unternehmers David Katz, könnte es für die Anleger zum Totalverlust kommen. Von den eingezahlten 91 Millionen Euro wurden über 40 Prozent für Verwaltung und Finanzierung des Projekts aufgewendet, etwa doppelt so viel wie üblich. Zudem sind Kredite teilweise in Schweizer Franken aufgenommen worden. Diese sind durch die starke Aufwertung der Währung jetzt rückzahlungsgefährdet.
Einige Initiatoren von ostdeutschen Hotelprojekten schreckten offenbar auch vor unlauteren Mitteln nicht zurück und habe ihre Projekt dadurch in Schieflage gebracht: Der Bauherr der Yachthafenresidenz in Warnemünde, der Norweger Harald Løkkevik, befindet sich seit Mai 2011 in Untersuchungshaft. Auch gegen Axel Hilpert, der das Resort Schwielowsee bei Potsdam entwickelt, ermittelt die Staatsanwaltschaft. In beiden Fällen wird vermutet, dass in großem Stil öffentliche Fördermittel erschwindelt wurden.